Pastor Jan Christensen

Nachhaltigkeit lebt durch das Engagement vieler Menschen, die vor Ort konkret ihre Visionen einer nachhaltigeren Welt mit Herz und Verstand umsetzen. Oft steht am Anfang das Unbehagen mit einem Missstand. Um zu einem konkreten Projekt zu kommen, bedarf es der Bildung für Nachhaltigkeit. So entwickeln sich Visionen und Missstände werden in einen größeren Rahmen gesetzt. Im Prozess, der in der Regel durch kreative Kooperation statt Konkurrenz geprägt ist, ergeben sich unerwartete Lösungsansätze, die hoffentlich ausstrahlen und Nachahmer inspirieren.

Prof. Dr. Florian Dünckmann

Nachhaltigkeit braucht Commitment. Leider existiert für dieses englische Wort keine passende deutsche Übersetzung: Es steht einerseits für den Einsatz, den engagierte Menschen an den Tag legen. Andererseits bezeichnet Commitment aber auch Verpflichtung bzw. Bindung. Während Freiheit und Ungebundenheit für viele Menschen und Unternehmen wichtige Ideale darstellen, gehen nachhaltige Projekte oft ein enges Netz von langfristigen Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen ein. Ökologisch wirtschaftende Höfe übernehmen Verantwortung für ein Stück Land; lokale Initiativen sind eng verbunden mit ihrem Dorf, ihrer Gemeinschaft, ihrem Viertel; nachhaltig wirtschaftende Unternehmen pflegen und vertiefen die Bindung an ihre Kunden und Geschäftspartner. Eine nachhaltige Gesellschaft braucht ein enges Netz von gegenseitigen Verpflichtungen und Verantwortungen, denn Menschen, Unternehmen, Orte und Dinge sind eben nicht immer beliebig austauschbar.

Claudia Zempel

Kommunen können und sollen Impulsgeber und Kümmerer für Politik, Jugend, Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen sein, um vor Ort Nachhaltigkeit konkret und erlebbar zu machen. Durch vorbildliche Projekte und Konzepte beispielsweise zur Müll- und Plastikvermeidung, Energieeinsparung, nachhaltigen und fairen Beschaffung, Verkehrsplanung oder auch nachhaltigen Finanzwirtschaft kann das Thema Nachhaltigkeit dauerhaft in gemeinsames, kommunales und gesellschaftliches Handeln überführt werden. Der Nachhaltigkeitspreis Schleswig-Holstein fördert dieses Engagement auch in den Kommunen und lädt ein zur Nachahmung!

Prof. Dr. Conrad Wiermann

Um das Leben von morgen zu gestalten braucht es echte Nachhaltigkeit. Rein auf ökonomische Ziele ausgerichtete Strategien sind per se nicht nachhaltig und damit auch nicht zukunftsfähig. Für die Landwirtschaft müssen der Erhalt und die Entwicklung von resilienten Ökosystemen im Mittelpunkt von Nachhaltigkeitsstrategien stehen. Besonders Aspekte der Bodengesundheit und –qualität sind hierbei zukünftig noch stärker zu berücksichtigen.

Sylke Messer-Radkte

Für die Menschen im ländlichen Raum ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema, nicht erst seit Kurzem, sondern schon immer. Hier wird Nachhaltigkeit seit langer Zeit gelebt, z.B. wird viel Wert auf regionale und saisonale Lebensmittel gelegt.

Das Leben im ländlichen Raum bedeutet aber auch Gemeinschaft und Weitergabe von Wissen, auch fördert die ehrenamtliche Tätigkeit, in unterschiedlichen Gremien, den Zusammenhalt und schafft Zukunftsperspektiven.

Unser heutiges Leben und Handeln wirkt sich auf unsere Zukunft und die unserer Kinder aus, darum müssen wir bewusst und verantwortungsvoll mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umgehen. Landwirtschaft und Wirtschaft sind gefragt, bewusst zu produzieren sowie neue und effiziente Techniken einzusetzen. Doch nicht nur die nachhaltige Produktion ist wichtig, auch in den Familien muss nachhaltiger Konsum stattfinden.

Mit dem Nachhaltigkeitspreis sollen genau diese Projekte gewürdigt werden, die sich für nachhaltige Entwicklung im Bereich Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Sozialer Gerechtigkeit einsetzen und somit unser Land zukunftsfähig machen. Dafür sind Ideen gefragt, die die gewohnten Wege verlassen, aber das Große und Ganze nicht aus dem Blick verlieren. Nachhaltigkeit geht uns alle an.

Raphael Lindlar

Für den aktuellen Nachhaltigkeitspreis werden wieder Ideen mit Bodenhaftung gesucht. Nicht die „Super-Innovation“ oder das neueste Hightech-Produkt retten die Welt, sondern Ideen, die sich in der Praxis bewähren und die von möglichst vielen dauerhaft umgesetzt werden können.

Gerade das Handwerk hat seit jeher eine große Affinität zur Nachhaltigkeit: regionale Produkte und Dienstleistungen, Ressourcenschonung durch Reparatur und Wartung, Handarbeit vor Materialeinsatz und enge Verflechtungen in regionale Netzwerke sind nur einige Beispiele, die dies verdeutlichen. Auch die soziale Verantwortung wird von vielen Betrieben sehr intensiv wahrgenommen. Direkte und indirekte Unterstützung von Vereinen und regionalen Gruppen sowie vielfältiges soziales Engagement sind weit verbreitet. Dazu kommt eine generationenübergreifende Beständigkeit vieler Handwerksbetriebe, die es so nur in diesen kleineren, flexiblen und regional verankerten Strukturen gibt. Mit vergleichsweise wenig nennenswerter Industrie lebt das Flächenland Schleswig-Holstein von diesen kleineren regionalen Strukturen.

Besondere Leistungen und Ideen für die Nachhaltigkeit sollen mit dem Nachhaltigkeitspreis ins Licht gerückt werden. Machen Sie mit und bewerben Sie sich mit Ihrem Projekt oder machen Sie einen Vorschlag für eine preisverdächtige Initiative. Gute Chancen auf einen Preis haben Projekte, die die drei großen Bereiche der Nachhaltigkeit adressieren: soziale Verantwortung, wirtschaftliche Sicherheit sowie Umwelt- und Klimaschutz. Die Projekte sollen dabei Vorbildcharakter haben und Mutmacher sein.

Prof. (em.) Dr. Ines Heindl

Von Generation zu Generation vollziehen sich Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, die wir nicht mehr dem Zufall oder gar der Macht globaler Märkte überlassen dürfen. Wenn es uns jedoch nicht durch soziokulturelle Bildung gelingt, die nachhaltigen Lebensstile einer Generation zu fördern, dann werden sich die Trends von „Geiz ist geil“ über „Kauf ein, schmeiß weg“ bis zum „Billigtourismus“ fortsetzen, bis die materiellen und kulturellen Ressourcen des Planeten Erde unwiederbringlich erschöpft sind. Wir brauchen Ihre Ideen, die Menschen zusammenbringen, um nachhaltig etwas verändern zu können.

Iris Haulsen

Das Jahr 2020 ist das Corona-Jahr. Covid19 hat alles verändert: Das Miteinander in der Gesellschaft, das ökonomische Tempo, das sozial-ökologische Bewusstsein. Diese Krise hat uns im Angesicht der persönlichen Krankheitsbedrohung bewusst gemacht, dass Klimakrise oder soziale Spaltung keine Symptome einer Welt sind, die sich ganz weit weg befindet. Vielmehr sind sie Zeichen einer Gesellschaftserkrankung, die uns sehr nahe ist. So schwerwiegend das Virus für die Gesundheit und das Leben der Einzelnen ist, so gefährlich sind alle Ausprägungen, die wir als Folgen bezeichnen, für unsere Gesellschaft insgesamt: Existenzen sind bedroht, ganze Wirtschaftszweige lahmgelegt, das einst harmlose Niesen unseres Tischnachbarn wird nun zum Indiz einer möglicherweise lebensbedrohlichen Infektion. Familien zeigen sich überlastet, die Vereinsamung des Einzelnen schreitet voran – Corona drängt uns zu einem Neuanfang in vielen gesellschaftlichen Bereichen und ist damit auch eine Chance: Wie soll die Gesellschaft aussehen, in der wir leben wollen? Wie erreichen wir die UN-Nachhaltigkeitsziele? Wie schaffen wir ein soziales Miteinander für heute und morgen? Wie erreichen wir Achtsamkeit und Sorge für einander, schonen unsere Ressourcen und sorgen gleichzeitig für ein sozial ausgewogenes und nachhaltig gerechtes Miteinander und die Entfaltungsmöglichkeiten eines jeden? Wir erleben, dass diese grundlegenden Anforderungen an unsere Gesellschaft existenzielle Güter teuer machen: Nahrung, Wohnung, Mobilität – all das muss für alle gewährleistet sein, wenn wir nicht zulassen wollen, dass unsere sozial ohnehin fragile Gesellschaft wirklich an ihrer Spaltung zerbricht. Was können oder müssen wir anders und besser machen? Mit den Projekten aus dem Nachhaltigkeitspreis zeigen Menschen, dass jeder etwas bewegen, seinen Beitrag leisten kann, dass sich jeder von uns die Frage nach dem „anders“ und „besser“ mit Erfolg stellen sollte. Ich freue mich darauf, in der Jury zum Nachhaltigkeitspreis wieder mit dabei zu sein. Ich bin gespannt auf die Projekte, die zum Mitmachen und Nachahmen anregen und uns allen einen neuen Schub geben werden: in Richtung einer gesunden Zukunft mit Hoffnung und Zuversicht.

Dr. Maria Grewe

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung betreffen alle Menschen hier und überall auf der Welt. RENN.nord unterstützt den schleswig-holsteinischen Nachhaltigkeitspreis, um Projekte und Initiativen bei der Umsetzung zu fördern, denn: Ziele brauchen Taten!